Förderung der Reformpädagogik in Österreich

DALTONKONGRESS 2017 -BERICHT

13.06.2017 11:18

Schon der Empfang der Gäste unterstrich die Gastfreundschaft. Ein "Daltonbag" mit Informationen, der neusten Ausgabe des "freigeist" und süßen Leckereien überraschte die Gäste. Die internationalen DaltonpädagogInnen kamen aus China, Holland, Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei.


Bürgermeister Mag. Josef Wallner (Deutschlandsberg) eröffnete mit heiteren Worten. Er ist ein echter Fan der Reformpädagogik und ein Politiker mit Herz und Verstand. So ist es auch möglich, gemeinsam Großes zu entwickeln. Gratulation an die Sternschule zu diesem Bürgermeister! Im Namen von Dalton Österreich begrüßte der Präsident die Gäste und lobte einmal mehr die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Team der Sternschule und Dalton International. Hier kurze Berichte zu den einzelnen Seminaren und Workshops:


Roel Röhner (NL, Präsident von Dalton International) eröffnete mit dem Hauptvortrag "Living Dalton"
Er verwies auf die unerhörte Dynamik der Veränderungen von Generation zu Generation. Dennoch sehen die Klassenräume fast genauso aus wie vor 30 Jahren und mehr, abgesehen von "upgrades" so mancher klassischen Schultafel.
Schulen gehören zu den wenigen Institutionen in unserem modernen Leben, die keinen radikalen Umbruch, beflügelt von Technologie, durchgemacht haben. Er sprach dabei nicht von Computern in den Klassenräumen oder davon, wie man mehr Tablets in Kinderhände geben kann. Röhner meinte, dass die Erneuerung im Bildungswesen Wege finden muss, Kinder zu inspirieren, indem neue Kompetenzen und Interessen mit einbezogen werden. Er konnte dann auf eindrucksvolle Art beweisen, dass der Daltonplan von 1924 immer noch aktuell und vollkommen passend zu den Kompetenzen des 21. Jahrhunderts ist.


Hans Wenke (NL) - Aufgaben eines Daltonkoordinators
Alles, was für Kinder wichtig ist, ist auch für LehrerInnen, KoordinatorInnen und DirektorInnen wichtig. Daltonentwicklung an einer Schule ist ein Teamprozess. Dazu braucht es Mut und Liebe zu den Kindern und dem Beruf. Wenke ging dann im Detail auf die Beantwortung der Fragen ein, wie man KollegInnen motivieren und inspirieren kann, um erfolgreich zu sein.


Marian Soullie und Marlies van Sluijs (NL) - Arbeiten mit Snappet 3.0
In beeindruckender Weise wurde im Workshop der praktische Umgang mit Snappts vorgestellt. Auf den eigenen Handys deer TeilnehmerInnen konnte praktische erfahrung gesammelt werden. Sehr intensive Diskussionen zu folgenden Fragen ließen die Zeit vergessen... Wieviel Zeit und Platz räumt man dieser Technologie ein?, Wie kann man direkte Rückmeldungen geben?, Wie arbeiten SchülerInnen an individuellen Zielen? (Snappets sind im Lernangebot praktisch unbegrenzt), Wie werden die Ergebnisse gedeutet?, Was ist der zusätzliche Nutzen von Snappets an unseren Schulen?... - Eine spannende Sache....


Jürgen Peters (A, Präsident Dalton Österreich) - Wege zur reformpädagogischen Qualität - Zertifizierung von Dalton-Schulen in Österreich
In diesem Seminar wurden die Möglichkeiten der Wege aufgezeigt, von einer "traditionellen" Schule den Standort zu einem reformpädagogischen zu entwickeln. Letztlich stellte Peters auch die Kriterien vor, welche zur Verleihung des Titels "Österreichische Daltonschule" führen. In Österreich gibt es derzeit zwei Schulen mit Zertifikat und weitere zwei Schulen arbeiten definitiv am Aufbau. An drei weiteren Schulstandorten ist man noch am Überlegen...


Paul Bruijn (NL, Vizepräsident von Dalton International), Iris Enthaler (A, Koordinatorin Steiermark) - Evaluation & Reflexion
Im Rahmen des Workshops wurden die Unterschiede dieser beiden Begriffe geklärt. Nach Meinung des Referenten werden diese beiden Begriffe immer gerne verwechselt. Den Besuchern wurde Einsicht in die Art und Weise, wie man mit SchülerInnen reflektieren kann, geboten. Was habe ich gelernt? Wie haben ich gelernt? Was denke ich über die Art und Weise, wie ich gelernt habe? - Die verschiedenen Ziele der Reflexion und die Rolle der Lehrperson in diesem Prozess wurde diskutiert. Letztlich wurden aber auch sehr praktische Beispiele ausgearbeitet durch die Beantwortung von Fragen über Inhalt, die Herangehensweise und die Erfahrungen. Praktische Beispiele der Umsetzung dieser Überlegungen an der Sternschule Deutschlandsberg rundeten diesen Block ab.


Roel Röhner, Agata Juljánska und Kamila Szymánska  (PL) - Dalton im 21. Jahrhundert
Beeindruckend wie in diesem Seminar die Wege aufgezeigt wurden, wie die Visionen von Helen Parkhurst mit aktuellen Impulsen verbunden sind. Simon Sineks "Golden Circle"-Theorie zeigt auf, wie wir uns auf die bedeutendsten Elemente der Daltonplan-Pädagogik konzentrieren sollten. Warum Dalton? war die Grundfragen. Dalton, weil wir am Puls der Zeit unterrichten müssen, ist die simple Antwort.


Dalton im Schulalltag - Die Sternschule Deutschlandsberg
Das Team der Schule führte die TeilnehmerInnen durch die Sternschule und erklärte die Arbeitsweise an diesem Standort. Der "way of life" von Helen Parkhurst wird hier zur Realität und ist, wie Roel Röhner gerne sagt, ein Diamant in der immer größer werdenden Familie der Daltonschulen. Es ist einfach ein gelebter Traum, den Iris Enthaler und Simone Reichenberger gemeinsam mit unerhört engagierten KollegInnen hier verwirklicht haben. So klein die Schule auch ist, der Chor der Schule unter der Leitung von Ruth Knox hat sich bestens zur Eröffnung und beim Abschluss präsentiert. Danke auch an diese tolle Gruppe!


Zum Abschluss des Kongresses gab es noch eine kurze Podiumsdiskussion und ein Impulsreferat von Franziska Püller (Begründerin der Püller(c)Pädagogik) unter dem Titel "Die Zukunft hat gestern begonnen - Wohin mit unserere Schule?". Sehr interessante Aspekte im Zusammenhang mit Bewegung und Lernen waren ein wichtiges Element ihren Referates. Sie stellte auch die provokante Frage: Wie ernst kann man eine Schule als Ausbildungsstätte für die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen nehmen, die noch nicht einmal in der Gegenwart angekommen ist? SchülerInnen sind nicht dumm, LehrerInnen sind nicht faul und unsere Schulen sind nicht kaputt. - Aber irgendetwas stimmt nicht.... Geschichten aus der Praxis zum Nachdenken waren ein interessantes Finale des Kongresses mit übeer 60 TeilnehmerInnen.


Der offizielle Kongressteil endete dann mit der Überreichung von Dankesurkunden an alle ReferentInnen und als ganz besondere Ehre wurde Roel Röhner mittels Urkunde zum ersten Ehrenmitglied von Dalton Österreich ernannt. Dank seiner Bemühungen gibt es unsere Organisation und Dank auch seines Engagements erleben wir eine wirklich tolle und rasche Entwicklung. Dem Team der Sternschule wurde für die Organisation eine Urkunde mit "Dank und Anerkennung" überreicht. Dr. Hubert Stotter war von Seiten der Diakonie de la Tour sichtlich stolz und würigte im Namen des Schulerhalters die Leistungen in seinen Abschiedsworten.


Es waren dann mehr als 200 (!!) Gäste, die das sensationelle Abendfinale miterleben wollten. Boondock Radio (Österreich) spielte, ja rockte, auf und es wurde recht spät für manchen Besucher.... die Halle im Laßnitzhaus tobte.


Der 26. Mai brachte einen gemeinsamen Ausflug, besonders für die internationalen Gäste, in die Region der Steiermark. Totale Begeisterung über die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit der hier lebenden Menschen war das Feedback aller. Es wrude die Ölmühle Farmer-Rabensteiner in Bad Gams besucht und in der Buschenschank Lorenz in Kitzeck brachte eine Weinverkostung und die Einladung auf ein steirisches Eis nur gute Stimmung und Laune. Am frühen Abend kamen die Gäste dann zurück in das für einen solchen Kongress bestens geignete Hotel JUFA Deutschlandsberg. Ein Dank auch hier an die stets freundlichen und bemühten MitarbeitInnen.

Es war ein Richtung weisender Kongress, der erstmals in dieser Form ausgetragen wurde und jetzt als "Muster" für die folgenden, jeweils in verschiedenen Ländern stattfindenden Meetings, gilt. 2018 heisst es dann - "Willkommen in Holland".... Danke an alle, die zum Gelingen dieser einmaligen Veranstaltung beitgetragen haben.

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